Projekt 1 - Inland: Caritas Lerncafés

Anna hat's geschafft

Anna* ist 14 Jahre alt und geht in die 4. Klasse eines Wiener Gymnasiums. Sie war immer ruhig und eher zurückgezogen, das hohe Lerntempo in der Schule überforderte sie manchmal. Sie hatte auch große Schwierigkeiten, sich in die Klassengemeinschaft einzufügen. Nach der Trennung der Eltern ging es Anna schlecht. Sie hatten wenig Zeit mit ihr zu lernen und sie in der Schule zu unterstützen, was sich wiederum auf ihre Noten auswirkte. Die negativen Noten in mehreren Unterrichtsfächern und die Änderungen in ihrer Familie führten dazu, dass sie mehrmals die Schule und ihr gewohntes Umfeld wechseln musste. In ihrer jetzigen Schule fühlt sich Anna endlich angekommen, die Klassengemeinschaft ist gut, sie hat Freunde und Freundinnen. Nur die Noten waren immer noch besorgniserregend. Ihren Eltern war es ein großes Anliegen, Anna einen weiteren Schulwechsel zu ersparen. Dazu mussten sich die Noten drastisch verbessern, doch Geld für teure Nachhilfestunden war einfach nicht da.

Seit zwei Jahren besucht sie nun das Caritas Lerncafé. Am Anfang war es für die LernbetreuerInnen sehr schwierig, einen Draht zu Anna zu finden, da sie recht verschlossen war und sich nur sehr wenig in die Gruppe integrierte. Außerdem fehlte ihr auch die Motivation, ihre Übungsaufgaben zu machen. Doch nach etwa einem halben Jahr zahlte sich die Geduld sowie das strukturierte Lernumfeld aus. Anna fasste Vertrauen und öffnete sich den LernbetreuerInnen und anderen Kindern. „Das Lernen macht mir wieder Spaß und ich gehe gerne ins Lerncafé. Besonders die Ausflüge sind cool!“, erzählt Anna. Mittlerweile kommt sie zweimal wöchentlich in das Lerncafé und ihre Noten haben sich durch das kontinuierliche Üben stark verbessert. Das vergangene Schuljahr konnte sie nun positiv abschließen, sie verbesserte sich in Englisch und Mathematik von 5 auf 3! Die Fortschritte haben sich auch sehr positiv auf ihr Selbstwertgefühl ausgewirkt. Ihre Eltern und Anna selbst sind sehr glücklich darüber, dass sie nun nicht mehr die Schule wechseln muss. „Ich will unbedingt die Matura machen, vielleicht auch studieren. Endlich habe ich nicht mehr das Gefühl, dass ich zu blöd für die Schule bin! Ich kann das schaffen und wenn ich Hilfe brauche, weiß ich, wo liebe Leute sind, die zu mir stehen!“, berichtet Anna stolz.

Insgesamt gibt es in Wien und Niederösterreich zehn Lerncafés, in denen Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien kostenlose Lern- und Nachhilfe für bessere Zukunftschancen erhalten. Neben der gezielten Unterstützung geht es auch darum, wieder Freude am Lernen zu vermitteln, damit Kinder wie Anna optimal gefördert werden.

 

*Name geändert

Projekt 2 - Ausland: Krisen- und Tageszentrum Petrushka

Tiraspols jüngster Ingenieur

„Manchmal war unser Kühlschrank tagelang leer“, erzählt Sasha*. „Meine Mutter hatte keinen Job und oft kein Geld, nicht einmal für Brot oder Milch“. Damals lebte Sasha in einer Einzimmerwohnung mit seiner alleinerziehenden Mutter und der jüngeren Schwester in Moldawien. In der kleinen Wohnung hatte nicht einmal jedes Familienmitglied ein eigenes Bett. Fürs Lernen und für die Hausaufgaben war erst recht kein Platz. „Wenn du müde und hungrig bist, wenn die Wohnung kalt ist, weil kein Geld da ist zum Heizen, dann ist die Schule das Letzte, was dich interessiert“, erklärt Sasha.

Um Kindern wie Sasha eine Zukunft zu geben, betreibt die Caritas in Tiraspol, der zweitgrößten Stadt Moldawiens, das Krisen- und Tageszentrum „Petrushka“. 25 Buben und Mädchen können hier wohnen, bis zu 40 weitere Kinder kommen jeden Nachmittag in das Tageszentrum. Hier ist es warm, es gibt etwas zu essen und Hilfe bei den Hausaufgaben. Die Kinder und Jugendlichen, die ins Tageszentrum kommen, sind zwischen 6 und 14 Jahre alt und stammen aus armutsbetroffenen Familien, aus staatlichen Heimen oder instabilen Verhältnissen. Jugendliche in Ausbildung finden in den Wohngruppen eine Unterkunft und erhalten Betreuung bei ihrem Weg in ein selbständiges Leben.Auch für den damals elfjährigen Sasha hat im Tageszentrum „Petrushka“ ein neues Leben begonnen. Er begann regelmäßig an den Nachmittagen das Zentrum zu besuchen und erhielt von den engagierten MitarbeiterInnen ein warmes Mittagessen, Hilfe bei den Hausaufgaben, psychologische und medizinische Betreuung sowie ein geregeltes Freizeitprogramm. Viele Kinder erleben hier erstmals liebevolle Fürsorge und erfahren, was emotionale Wärme bedeutet. Auch Sasha konnte hier Schritt für Schritt neuen Lebensmut fassen und wieder Selbstvertrauen gewinnen.
Einige Jugendliche aus dem Tageszentrum Petrushka studieren inzwischen. Das ist auch Sashas Ziel. Er möchte die Matura machen und Bauingenieurwesen studieren. Sein Traum ist es, große Häuser zu bauen und eines Tages eine eigene Familie zu gründen. 

 

*Name geändert