Inlandsprojekt: Lerncafés in Wien und Niederösterreich

© Caritas Lerncafés | Beispielfoto

Der 11-jährige Daniel* lebt gemeinsam mit seinen zwei Geschwistern und seiner Mutter in Wien. Sein Vater hat die Familie vor kurzem verlassen und wenn die Mutter arbeitet, kümmert sich die große Schwester um Daniel und seinen kleinen Bruder. Daniel ist ein neugieriger und interessierter Schüler. Deshalb ist er auch sehr stolz, dass er auf dem Gymnasium aufgenommen wurde. Die Schule macht ihm Spaß, aber der Umstieg von der Volksschule auf das Gymnasium war mit vielen Heraus-forderungen verbunden, auch da die neue Familiensituation für alle sehr belastend ist. Oft fällt es Daniel schwer, sich zu konzentrieren und er macht viele Fehler bei den Schularbeiten. Weil ihm seine Noten aber sehr wichtig sind, besucht er den Förderunterricht in der Schule und lernt auch zu Hause mit seiner Schwester, wenn sie Zeit hat. Trotzdem wurden die Noten immer schlechter. Einen Nachhilfeunterricht außerhalb der Schule kann sich seine Mutter nicht leisten, da das Geld ohnehin sehr knapp ist. 

Besonders Kinder aus armen und bildungsfernen Familien haben schlechtere Zukunftschancen. Ihre Eltern sind häufig nicht in der Lage, bei Haus-übungen oder beim Lernen zu helfen und haben auch nicht das Geld für private Nachhilfestunden. Dadurch sind Kinder aus armutsbetroffenen Familien besonders gefährdet, die Schule frühzeitig abzubrechen und haben in der Folge häufig Probleme, später einen guten Job zu finden und aus der Spirale der Armut auszubrechen. Zum Glück gibt es in Wien und Niederösterreich aktuell elf Lerncafés, in denen Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien kostenlose Lern- und Nachhilfe erhalten. Neben Nachhilfe in unterschiedlichen Fächern geht es in den Lerncafés auch darum, den Kindern wieder Freude am Lernen zu vermitteln, und sie damit optimal zu fördern. 

Bildung kann dabei helfen, Armut zu bekämpfen – und die Nachfrage nach Plätzen in den Caritas Lerncafés ist sehr groß. Aufgrund von Kürzungen bei Förderungen und des Ausfalls einzelner privater Sponsoren ist die Finanzierung für die Lerncafés im Jahr 2019 leider wieder schwieriger geworden. Die Wartelisten auf einen Platz in einem Lerncafé sind lang – das Angebot wird von den Kindern dringend gebraucht. Daniel hat einen Platz bekommen und kann seit dem Herbst regelmäßig das Lerncafé besuchen. Und er macht große Fortschritte. „Ich weiß, dass ich oft länger brauche als die anderen Kinder, aber hier wird mir richtig gut geholfen. Meine Noten sind schon viel besser geworden. Wenn ich nicht mehr hier her kommen dürfte, müsste ich wahrscheinlich die Schule wechseln. Darüber wäre ich sehr traurig. Schließlich habe ich hier schon viele Freunde.“

Schaffen wir es, vielen Kindern wie Daniel weiterhin einen Platz im Lerncafé zu ermöglichen und sie mit kostenloser Lern- und Nachhilfe zu unterstützen?

*Name geändert

Auslandsprojekt: Kindertageszentrum Odessa

© Caritas Auslandshilfe | Beispielfoto

In Europa herrscht Krieg. Jetzt gerade, etwa 1.500 Kilometer von uns entfernt, im Osten der Ukraine. Seit 2014 finden dort fast täglich gewaltsame Kämpfe statt, von denen man in Österreich nicht sehr viel mitbekommt.
Für Andrij und Alexander* ist der Krieg sehr nah. Die beiden Brüder sind jetzt acht und vierzehn Jahre alt. Vor fünf Jahren lebten sie in Donezk in der Ukraine. Als dort der Krieg ausbrach und Bomben die Nachbarschaft zerstörten, entschied ihre Mutter, dass die beiden nicht mehr länger dort leben sollten. Gemeinsam mit den Großeltern flohen sie nach Odessa, einer großen Stadt am Schwarzen Meer. Die Mutter selbst musste zurückbleiben, weil sie in Donezk eine Arbeit hatte und auch die Wohnung nicht aufgeben wollte. Noch nicht. Sie musste versuchen, die Familie weiterhin zu ernähren. Oft konnte sie ihre Söhne nicht besuchen, weil das Geld dazu fehlte. 

Im Herbst 2016 kam dann eine schreckliche Nachricht: Die Mutter von Andrij und Alexander war bei einer Bombenexplosion ums Leben gekommen. Für die Familie war das ein großer Schock. Andrij sprach kaum mehr und Alexander fing immer wieder Streit mit seinen MitschülerInnen an. Beide konnten nur noch sehr schlecht schlafen und wurden von Albträumen geplagt. Die Großeltern, die selber um ihre Tochter trauerten, waren mit der Situation überfordert und wussten nicht mehr, wie sie ihren Enkeln helfen konnten. Eine Lehrerin empfahl ihnen dann das Kindertageszentrum Odessa.
Dort helfen erfahrene PsychologInnen und SozialarbeiterInnen vielen Kindern aus Kriegsgebieten mit ihrer Trauer umzugehen. Anfangs sprachen die Brüder nicht gerne über ihre Erlebnisse oder über ihre Mutter. Andrij fing aber an zu malen, was ihm half, seine Gefühle und Gedanken auszudrücken. Alexander war gerne in der Natur und an der frischen Luft, am liebsten spielte er mit den Pferden des Tageszentrums. Mit der Zeit fingen die beiden dann an, sich den BetreuerInnen zu öffnen. Auch die Großeltern kamen regelmäßig im Tageszentrum vorbei und redeten mit den PsychologInnen über das Erlebte. 

Mittlerweile schlafen Andrij und Alexander wieder besser und auch in der Schule gibt es weniger Probleme. Sie sind beide immer noch traurig und vermissen ihre Mutter sehr, aber sie freuen sich auch schon auf den Sommer: Da wollen sie mit den anderen Kindern einen Ausflug in die Berge machen. In die Natur, weit weg von den Bomben.

Im Kindertageszentrum Odessa werden rund 70 Kinder aus schwierigen Verhältnissen betreut. Es gibt Sportmöglichkeiten, Platz zum Spielen und verschiedene Therapien, die den benachteiligten Kindern helfen, ihre Lebensfreude wieder zu finden. Aktuell versuchen die BetreuerInnen des Tageszentrums ein großes Sommercamp für alle Kinder zu organisieren.

Schaffen wir es, ihnen dabei zu helfen und den Kindern in Odessa einen schönen gemeinsamen Urlaub zu ermöglichen?

*Namen geändert